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Zuckerschote Neve Piselli

  • Autorenbild: Needful Friends
    Needful Friends
  • 24. Aug. 2022
  • 2 Min. Lesezeit


Sobald der Frühling Einzug hält, ist sie da: die Zuckerschote. Zart, grün und voller Versprechen. Man kennt sie unter vielen Namen. Als Kaiserschote, Zuckererbse, in Italien als neve piselli, in der Schweiz als Kefe, in England schlicht als pea pod und in Frankreich als pois mange-tout, die „Allesesserin“.


Sie gehört zu den Schmetterlingsblütlern, zur großen Familie der Hülsenfrüchte, und doch hebt sie sich von ihren Verwandten ab wie eine kleine Besonderheit.

Ihre Geschichte beginnt früh. Die Zuckerschote wird geerntet, noch bevor sich jene pergamentartige Schicht in ihrer Hülse bildet, die andere Erbsen ungenießbar macht.


Genau darin liegt ihr Geheimnis: Sie wird als ganze Hülse gegessen, knackig und süß, roh oder nur ganz sanft gegart.


Anders als die gewöhnliche Erbse wartet sie nicht darauf, ausgelöst zu werden, sie möchte als Ganzes genossen werden. In der leichten Frühlingsküche ist sie unverzichtbar, kaum ein Wokgericht kommt ohne sie aus, kaum ein Salat ohne ihr frisches Knacken.


Schon zur Zeit Ludwigs XIV. galt sie als wahre Delikatesse. Der französische König war ein leidenschaftlicher Erbsenliebhaber, und während getrocknete Erbsen längst zur Volksnahrung gehörten, blieben die frischen, süßen Schoten zunächst dem Adel vorbehalten. Bis heute haftet ihnen etwas Feines, fast Vornehmes an, vielleicht, weil sie nur kurz verweilen.


Denn ihre Saison ist knapp. Gemeinsam mit Spargel und jungen Möhren erscheint sie im Frühjahr für kaum mehr als zwei Monate in drei verschiedenen Qualitäten im Handel. Frisch geerntet ist sie am besten, höchstens zwei Tage gekühlt gelagert. Dann trägt sie reichlich Vitamin B und C in sich, dazu Phosphor, Magnesium und Eisen. Kostbar ist sie, nicht billig, die teuerste, aber auch die wohlschmeckendste unter den Erbsen.


Viel Hitze mag sie nicht. Kochen nimmt ihr die Knackigkeit und raubt ihr den Zauber. Am liebsten wird sie kurz gedünstet, in etwas Butter, mit einer Prise Salz und fein zerkleinertem Kerbel, nachdem Stielansatz und Spitze entfernt wurden. So wird sie zur einfachen, vollkommenen Beilage und manchmal sogar zum heimlichen Mittelpunkt eines Gerichts.


Und auch wenn unsere kleine frühe Erbse nicht zum Verzehr gedacht ist, bleibt sie doch ihrer Familie treu: knackig im Wesen, frisch im Ausdruck und von erstaunlicher Beständigkeit. Wie die echte neve piselli hat auch sie nur eine kurze Saison und ist gerade deshalb für Liebhaber etwas ganz Besonderes. Eine kleine Frühlingsdelikatesse, die man nicht vergisst.






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