

Theodore Roosevelt und Margarethe Steiff
- die Geschichte des Teddybären.
Drehen wir die Zeit um 120 Jahre zurück, in eine Welt, in der Staatsoberhäupter gern auf die Jagd gingen. Theodore Roosevelt war da keine Ausnahme. Während er in den Südstaaten weilte, um Grenzstreitigkeiten zu schlichten, nahm er die Einladung zu einer Bärenjagd an. Doch das Glück blieb aus, kein Bär wollte fallen. Um dem Präsidenten dennoch eine Trophäe zu präsentieren, banden die Gastgeber einem jungen Schwarzbären ein Seil um den Hals und riefen: „Ein Bär! Ein Bär!“
Doch Roosevelt sah das verängstigte Tier und sagte nur: „Wenn ich diesen Bären töte, kann ich meinen Kindern nie wieder in die Augen sehen.“ Ein Moment voller Menschlichkeit, der nicht unbemerkt blieb. Der politische Karikaturist Clifford Berryman zeichnete die Szene und seine Skizze erschien am nächsten Tag in der Washington Post. Die Zeichnung, betitelt „Hier ist die Grenze“, wurde ein großer Erfolg und inspirierte einen Mann in Brooklyn zu einer Idee, die die Welt des Spielzeugs verändern sollte.
Morris Michtom, Inhaber eines kleinen Kolonialwarenladens, sah die Karikatur und erkannte sofort das Potenzial: Ein kleiner Bär aus braunem Plüsch sollte die Herzen der Kinder erobern. Über Nacht entstand das erste Exemplar und kaum war es im Schaufenster ausgestellt, war es verkauft. Mrs. Michtom nähte unermüdlich weiter, während Morris einen Bären persönlich an das Weiße Haus schickte. Präsident Roosevelt gestattete den Namen „Teddy“ als Markenzeichen, und die Nachfrage stieg ins Unermessliche. Ein Spielzeug war geboren, das bald die Welt erobern sollte.
Doch während in Amerika der Teddy die Kinderzimmer eroberte, geschah auf der anderen Seite des Atlantiks etwas ebenso Wunderbares: Margarethe Steiff, seit ihrer Kindheit an den Rollstuhl gefesselt, aber voller Einfallsreichtum, gründete 1877 in Giengen an der Brenz ihre kleine Filzfabrik. Sie begann mit Nadelkissen und kleinen Kleidungsstücken für Kinder, doch schon bald entdeckte sie die Magie ihrer Filztiere als Spielzeug. Elefanten, Affen, Schweinchen, Hunde und Hasen entstanden, und 1893 wurde das Familienunternehmen offiziell im Handelsregister eingetragen.
Ihr Neffe Richard Steiff, inspiriert durch Tierbeobachtungen im Stuttgarter Zoo und seine künstlerische Ausbildung, brachte die Idee eines Bären mit beweglichen Gliedmaßen ein, genäht aus weichem Pelz, nicht aus Filz. 1903 präsentierte die Familie Steiff diesen ersten Bären auf der Leipziger Spielwarenmesse. Zunächst schien der Erfolg auszubleiben und die Aussteller wollten schon zusammenpacken, als ein amerikanischer Käufer in letzter Minute den Bären erwarb und gleich 3.000 weitere bestellte. So begann der Siegeszug der Steiff-Bären über Kontinente hinweg.
Und hier schließt sich der Kreis: Der amerikanische Käufer stellte die Bären in New York aus, wo sie die Hochzeitstafel von Roosevelts Tochter schmückten. Die Gäste erinnerten sich an die Jagdgeschichte und aus der kleinen Karikatur entstand ein Spielzeug, das die Herzen der Menschen weltweit eroberte. Teddy war geboren, ein Bär, der Geschichte schrieb und Kinderzimmer für immer verzauberte.
Bis heute haben sich die Steiff-Bären als hochwertige Sammlerbären ihren Platz in den Herzen der Menschen gesichert. Sie bleiben treue Begleiter, Seelentröster und Freunde, deren Magie über Generationen hinweg lebt. Jeder Bär trägt ein Stück Geschichte in sich, ist Zeuge vergangener Zeiten und bewahrt die Erinnerungen seiner Menschen. Der gute alte Teddybär bleibt ein Freund fürs Herz, ein stiller Tröster und ein Begleiter voller Magie. Er berührt Herzen, spendet Trost und trägt Geschichten und Träume durch die Zeiten.
