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Schornsteinfeger Hans, ein Glücksbringer zum Jahreswechsel

  • 31. Dez. 2022
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Dez. 2025



In meiner Kindheit wurde ich manchmal Zeugin eines seltsamen Rituals. Immer dann, wenn meine Mutter einem Schornsteinfeger begegnete, steuerte sie entschlossen auf ihn zu, fasste ihn am Arm und murmelte leise vor sich hin:

Schornsteinfeger, Glück, Glück, Glück. Eins, zwei, drei, vier – das Glück gehört mir.

Als Kind war ich im ersten Moment ziemlich irritiert. Dieses plötzliche Zugreifen wirkte fast wie ein kleiner Überfall. Später erklärte man mir, dass Schornsteinfeger Glück bringen.


Damit dieses Glück allerdings von dem Mann auf einen anderen Menschen übergehen könne, müsse man ihn berühren. Ganz verstanden habe ich das damals nicht, aber meine Mutter glaubte fest daran.

Schon früh fragte ich mich, warum ausgerechnet ein rußiger Mann Glück bringen sollte.


Mir fiel außerdem auf, dass kurz vor Silvester in den Supermärkten kleine Schornsteinfeger aus Pfeifenreinigern angeboten wurden. Sie standen zwischen Glücksschweinchen und Kleeblättern. Aber weshalb gerade zum Jahreswechsel?


Der Beginn eines neuen Jahres ist für viele Menschen ein Anlass, innezuhalten. Man blickt zurück, zieht Bilanz und fasst gute Vorsätze. Der Wille dazu ist meist ehrlich und gut gemeint, doch an der Umsetzung scheitert es oft im Alltag.

Mir kommt dabei ein Satz von Konfuzius in den Sinn: Am Baum der guten Vorsätze gibt es viele Blüten, aber wenig Früchte.


Beständiger scheint dagegen der Glaube an Glücksbringer zu sein, die uns jedes Jahr aufs Neue begleiten. Der Schornsteinfeger gehört unbestritten dazu. Sein Ruf als Glücksbringer hat seinen Ursprung im Mittelalter. Damals waren Häuser überwiegend aus Holz gebaut und damit besonders brandgefährdet. Der Schornsteinfeger zog als Handwerksgeselle umher, reinigte die Schornsteine und sorgte so dafür, dass geheizt und gekocht werden konnte, ohne Leib und Leben zu gefährden. Ein sauberer Schornstein bedeutete Sicherheit – und damit Glück für das Haus und seine Bewohner.


Man sagte sogar, ein wenig Asche des Kaminkehrers ins Gesicht geschmiert könne das Glück herbeirufen. Gleichzeitig umgab den Schornsteinfeger etwas Geheimnisvolles. Mit seiner schwarzen Kleidung und dem rußigen Gesicht glaubte man, er könne böse Geister vertreiben und im Zweifel sogar den Teufel bezwingen. In einer Zeit, in der der Aberglaube tief verwurzelt war, suchte man lieber seine Nähe, berührte ihn und hoffte, so auf der sicheren Seite zu sein.


Recherchen zufolge hat das Schornsteinfegerhandwerk seinen Ursprung in Italien. Von dort wanderten die Gesellen über die Alpen bis nach Deutschland. Urkunden belegen, dass es bereits im Mittelalter Schornsteinfegerzünfte gab. Nicht selten wurde dieser Beruf auch künstlerisch festgehalten, etwa in Kupferstichen und Radierungen. Die traditionelle Berufskleidung, die Schornsteinfeger noch heute tragen, erinnert bis heute an diese lange Tradition.












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