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Herr von Hase


Gestatten, mein Name ist Hase, Herr von Hase. Sie haben die Ehre. Ich könnt´ nicht behaupten, von nichts zu wissen, auch wenn mein Name Selbiges vermuten ließe. Fürwahr ist`s nur eine törichte Redensart, die ich, in aller Bescheidenheit, mir erlaube zu erwähnen. Auf den Juristen Victor von Hase ginge sie zurück, der in einer Gerichtsverhandlung, in deren Verlauf er anno 1855 höchstselbst später der Fluchthilfe eines Kommilitonen bezichtigt wurde, diese Rede zu äußern von sich gab. Selbiger hatte im Ehrenhändel des Duells einen Gegner getötet und sich mithilfe des Studentenausweises von Hase die Flucht nach Frankreich ermöglicht. Diese Redensart fand dann recht schnell Einzug in den Sprachgebrauch der studentischen Burschenschaften und wurde alsbald auch in humorvoller Art und Weise mit meinem Namen Hase in Verbindung gebracht. Aber fürwahr, ich schweife ab.



Geruhen Sie sich nun von mir zu den großen Kulturen an den Nil entführen zu lassen und lauschen sie den Ausführungen über Ostern, bunte Eier und die Frage, was es mit meinem hochverehrten Name Hase in jenem Zusammenhange wohl auf sich hätt`.


Ostern, wenn Sie mir selbige Bemerkung erlauben, ist eine Zeit der Naturwunder, denn es passiert etwas allenthalben, Sie werden vermutlich sagen, ganz und gar Unerschröckliches: Bären schlüpfen daselbst aus Eiern. Mit Ihrer durchaus berechtigten Frage, was denn darob Bären mit Ostern zu tun haben mögen, sind Sie natürlich im Recht und es verbleibt mir die Zustimmung bei meiner Treu` gar nichts! Mit Ostern verbinden müsst man wohl die Mär vom Osterhasen, der buntbemalte Eier legt, allein das erscheint wohl schon als ein recht obskures Kuriosum. Aber, gestatten Sie mir eine kurze Darlegung: Den Osterhasen und seine Eier verbindet eine uralte Geschichte, bei meiner Seel´, wir müssen das Rad der Geschichte um ein paar Jahrtausende zurückdrehen und lasset uns beginnen in der finst´ren Frühzeit bis hin zur Eroberung durch das Römische Reich: Bei den alten Ägyptern. Selbige verehrten um 5000 vor Chr. wohl um ihr Frühlingsfestes den Hasen als trächt`ges Symbol der Fruchtbarkeit und aßen zur Feier des Tages gar bunt bemalte Eier. Seit jener Zeit tauchen Hasen und Eier immer wieder in Alliancen mit den Frühlingsbräuchen and´rer Völker auf. Der Osterhase wird anno Domini 1682 von Georg Frank in seiner Abhandlung: „De ovis paschalibus" von "Oster-Eyern“ wohl urkundlich erwähnet, gar wohl man die Kindern und Einfält´gen narrte, der Osterhase lege solche Eier. Dabei hatte doch der Hase als Eierbringer in gar vielen Landen durch den Kuckuck, den Fuchs und Hahn und gar selbst den Storch ein wohlfeilen Mitstreiter im Reigen, die wohl eingängigste Erklärung für die Verbindung von Hase und Eiern mag sein der Zinstermin zum Osterfeste, denn der Hase war neben Eiern und Geflügel eine der zu entrichtenden Zehnten an die hochwohlgeborene Obrigkeit. Das altdeutsche Eiergesetz, das vorsah, dass ein Teil der Grundsteuern in Naturalien bezahlt wurde, nahm Ostern als Stichtag für die Berechnung.


Aber schon die Germanen opferten der Frühlingsgöttin im März die ersten Hasen und gar bunte Eier. Die christliche Kirche übernahm das Ei wohl als Fruchtbarkeitssymbol. Wohlan zur Fastenzeit vor Ostern durften in vielen Landen kein` Eierspeiß gereichet werden, doch die Hühner legten weiter in Gottes Namen. Aber was zu tun mit den vielen Eiern? Sie wurden aufbewahrt, gekocht oder in Salzwasser eingelegt. An Ostern war Küche und Keller so wohlgefüllt mit weisser Eier Pracht, dass man sie zu verschenken geruhte. Erst im frühen 13. Jahrhundert werden erstmalig in der hochedlen Beurkundung dero bunte Eier erwähnt, so berichtet uns wohlan Doktor Luther von gefärbten Eiern in der österlichen Speisenweihe. Die Kunst Ostereier kunstvoll zu bemalen, hat vor allem in östlichen Teilen des Reiches Europa ihren Ursprung. Die reichen Zarenhäuser indes wickelten ihre Eier in Blattgold. Ärmere wussten sie wohl zu kochen in Blättern und Blüten. Obwohl im orthodoxen Glauben die Kunde gesprochen ward, in der Christus den römischen Kaiser damit von seiner Auferstehung überzeugte, dass er Eier rot färben ließ, nachdem der Herrscher zuvor sowohl die Auferstehung als auch die Möglichkeit, dass ein frisch gelegtes Ei eine rote Schale habe, schmählichst bezweifelte, ist es dennoch fürwahr unwahrscheinlich, dass dero Ostereier aufgrund heil´ger Bräuche eingefärbt wurden, denn gar lange vor dem Osterfeste allerhier in unseren Landen wurden Eier recht geschmückt und verziert.


Das gefärbte Ei, es stehet wohl für Fruchtbarkeit und Auferstehung des Herren Christu, fürwahr, weshalb der munt´re Geist auch die Missionierung der Heiden zum Christentum dahinter vermuten mag. Sei es drum, der Brauch, Ostereier zu verstecken, um sie dann wieder zu suchen, ist allenthalben bis dato noch nicht recht gekläret. Dennoch Ostern, Eier, Hasen, alles mag irgendwie gehören zusammen, aber warum zu Ostern in der Needful Friends Künstlerwerkstatt Bären aus Eiern schlüpfen, vermag wohl heut` kein Mensch und kein Hase mehr erklären. Tatsache ist, die bärigen Eier und die Damen und Herren Hasen erfreuen sich großer Beliebheit, sind eine fürwahr aussergewöhnliche Dekoration und nur in der Zeit um`s Osterfeste erhältlich. Wohlan und habet herzlich` Dank für die geschätzte Aufmerksamkeit. Ich empfehle mich.





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