Von Bären und Dachbodenfunden
- Needful Friends

- 30. Aug. 2022
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Dez. 2025

Ein Sprichwort sagt: Lehrjahre sind keine Herrenjahre.
Alte Bären könnten davon ganze Lieder singen. Viele von ihnen haben ihre Pflicht früh und gewissenhaft erfüllt, als Seelentröster, Spielgefährten und treue Begleiter durch Kindertage und lange Nächte.
Und doch endete ihr Weg oft still und unscheinbar: auf Dachböden, in Pappschachteln, auf verstaubten Regalen. Dort lagen sie manchmal jahrzehntelang, wartend, hoffend, vergessen.
Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Verbände aus Stoffresten erzählen von allzu wildem Spiel, geflickte Nähte von liebevollen Rettungsversuchen. Manche wurden vorsichtig im Waschbecken gereinigt, andere weniger behutsam der Waschmaschine anvertraut. Ihr Fell ist abgewetzt, die Pfoten weich geworden, manchmal mit Pflastern beklebt.
Und doch tragen sie in all dem Würde, Geschichte und Leben. Manche dieser Bären wurden irgendwann wiederentdeckt. Befreit aus ihrem Dachbodendasein, durften sie noch einmal trösten, noch einmal da sein, mit ihrem abgeliebten Pelz in dunklen Nächten, wenn Trost gebraucht wurde. Viele jedoch haben die Jahrzehnte nicht überstanden. Sie zerfielen, wurden aus Hygienegründen entsorgt, verschwanden still. Bärenschicksale, die uns unweigerlich in den Sinn kommen, wenn wir ihnen auf Flohmärkten, in Auktionshäusern oder eben auf alten Dachböden begegnen. Was mögen sie erlebt haben, wenn sie erzählen könnten?
Man möchte sie mitnehmen, ihnen ein Zuhause geben, ihnen zuhören. In den 1980er-Jahren gab es in Deutschland eine Ausstellung zur Geschichte des Teddybären. Viele Bären wurden damals zusammen mit ihrem Lebenslauf gezeigt und erfuhren eine neue Wertschätzung. Ich erinnere mich besonders an einen, der heiß geliebt und später an die kleine Schwester weitervererbt wurde. Der Bruder konnte den Verlust nicht akzeptieren und zerrte immer wieder an seinen Beinen, um ihn zurückzuholen. Die Folgen waren schwere Verletzungen, notdürftig mit Gardinenstoff versorgt.
Ein anderer Bär gehörte einem sehr eitlen Mädchen. Als sich beim Spielen einer ihrer Zöpfe löste und sich nicht mehr richten ließ, entlud sich ihre Wut an ihrem treuesten Freund. Sie warf ihn zu Boden, trat auf ihn ein und begriff erst danach, was sie getan hatte. Beschämt nahm sie ihn in die Arme, weinte und bat ihn stumm um Verzeihung. Der Bär trug seine Verletzungen mit Fassung. Bis heute sitzt er auf dem Regal über ihrem Schreibtisch, als stiller Zeuge und sanfter Ermahner.
Viele Bären haben die Zeit nicht überdauert. Doch einige hatten Glück. Sie fanden einen Altersruhesitz zwischen alten Büchern, auf einer Sofalehne, an einem Ort, an dem sie bleiben durften. Der klassische Teddybär ist in den Kinderzimmern längst vom technologischen Spielzeug verdrängt worden, eine neue Generation ist herangewachsen. Dieser Text ist den alten Dachbodenfunden gewidmet, jenen Bären, die mehr verdient hätten.
Auch Teddy Benno hat trotz seiner Geschichte seine Fröhlichkeit nicht verloren. Ein liebenswerter Bär, zum Teil noch mit Holzwolle gestopft, mit sehr altem Ausdruck. Einer von denen, die geblieben sind.





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