Das Leben eines Bärenherzens
- Needful Friends

- 18. Mai 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Dez. 2025

„Alter ist eine vom Tod umspülte Insel“, heißt es in alten Sprichwörtern. Doch wir Teddybären altern auf unsere eigene Art, langsamer, liebevoller und voller Geschichten. Wir spüren die kleinen Händchen, die uns unter den Weihnachtsbaum legen, die neugierig unsere Knopfaugen mustern, wir kuscheln uns in Kinderbettchen und lauschen den Träumen unserer Menschen.
Wir trocknen Kullertränchen, begleiten die ersten stolzen Schritte ins Kinderzimmer voller Lego-Raumschiffe, Puppen und Fußballpokale und sitzen später auf bunten Tagesdecken, während scheue Teenagerküsse heimlich ausgetauscht werden. Und oft sind wir die treuen Zeugen, die als kleine Schätze der Kindheit in die ersten eigenen Wohnungen und WGs mitfliegen, wenn unsere Menschen flügge werden.
Natürlich hinterlässt die Zeit auch an uns ihre Spuren. Unsere Schnauzen werden dünner, Knopfaugen neu eingesetzt, Flicken zieren hier und da unser Fell, oft von sorgenden Großmüttern liebevoll aufgebracht. Wir tragen diese Narben der Liebe stolz, denn sie erzählen von einem Leben voller Nähe, Freude und Geschichten. Und ja, manchmal riechen wir ein wenig eigenartig, schließlich gibt es kaum ein Mahl, keine Träne und kein Lächeln, das nicht Spuren auf unserem Fell hinterlässt. Ein wunderschönes, bäriges Leben eben.
Für uns gibt es keine Rente. Auch im Alter haben wir Hunger nach Zuneigung, nach Wärme, nach Nähe. Wir sitzen am liebsten dort, wo die Familie zusammenkommt, und bleiben treue Schlafgenossen, selbst wenn inzwischen die zweite oder dritte Generation ihre Träume mit uns teilt.
Manchmal arbeiten wir weiter, selbst wenn unser Filz und unsere Holzwolle uns sagen, es sei Zeit für einen ruhigen, sonnigen Platz im Haus. Doch unsere Bärenrentenkasse ist kein Rundum-Sorglos-Paket. Wir tun unsere Arbeit gern, Seite an Seite mit den Menschen, die wir lieben. Wir haben schon Kinder von der ersten Generation bis zur dritten begleitet und immer wieder durften wir neue Herzen erfreuen. Manche unserer Menschen tragen uns ihr Leben lang bei sich, heimlich, still und voller Liebe, wenn Kummer getröstet oder Freude geteilt wird.
Eines haben wir gemeinsam: Wir genießen eine besondere Altersvorsorge, ein Leben voller Nähe, Zuneigung und Erinnerungen. Über Jahrzehnte haben wir aus unserer Ecke heraus die Geschichten der Welt beobachtet, haben Lachen und Tränen geteilt und sind dankbar für jedes liebevolle Händchen, das uns hält.
Und so gehen wir weiter unseren Weg, begleiten unsere Menschen durch dick und dünn, in guten wie in schlechten Zeiten. Unser Bärenherzchen lacht, wenn wir angeschaut und liebevoll gefragt werden: „…Na, mein Alter, geht’s dir gut?“ – und in diesen Augen spüren wir, dass auch wir etwas schenken können, was Menschen oft schwerfällt: echte, stille Freude.
Meinen Namen habe ich aus einem besonderen Kinderschuh, den ich seit meiner Geburt bei mir trage. Darum nennen mich meine Menschen Schuschu. Gefertigt aus hundert Jahre altem Bauernleinen, komme ich mit einem antiken Schuh in mein neues Zuhause, ein kleines Stück Geschichte, das Herz und Hand verbindet.





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