Der Froschkönig 👑 der keiner sein wollte 29 cm
Es war einmal ein kleiner grüner Frosch, der eine Krone trug.
Niemand wusste so genau, woher er sie hatte. Manche behaupteten, eine Prinzessin habe sie eines Tages am Brunnen vergessen. Andere erzählten, der Frosch sei in Wahrheit ein verzauberter Prinz und müsse nur von der Richtigen geküsst werden.
Der Frosch selbst musste jedes Mal lächeln, wenn er diese Geschichte hörte, denn niemand hatte ihn je gefragt.
Eines Morgens saß er am Rand seines Teiches und betrachtete sein Spiegelbild im Wasser.
„Ein Prinz also“, dachte er.
Er versuchte, sich einen Palast vorzustellen:
Große Säle, goldene Stühle, Diener, die Türen öffneten und jeden Morgen eine Krone, die vermutlich noch viel schwerer wäre als seine kleine.
Dann betrachtete er die Seerosen. Ein Schmetterling setzte sich neben ihn. Im Schilf raschelte der Wind, und irgendwo begann ein Vogel zu singen. Der Frosch seufzte zufrieden, eigentlich mochte er sein Leben.
Er mochte den kühlen Schlamm zwischen seinen Zehen. Er liebte es, wenn Regentropfen auf den Teich fielen und tausend kleine Kreise zeichneten und er konnte stundenlang auf einem Seerosenblatt sitzen und darüber nachdenken, wohin die Wolken zogen. Warum sollte er also darauf warten, jemand anderes zu werden?
Doch eines Tages kam tatsächlich eine Prinzessin an seinen Teich. Sie setzte sich ins Gras und betrachtete ihn lange.
„Bist du der Frosch, den ich küssen soll?“, fragte sie schließlich. Der Frosch überlegte.
„Warum möchtest du mich denn küssen?“ Die Prinzessin war verblüfft.
„Damit du ein Prinz wirst.“
„Und wenn ich gar keiner werden möchte?“ Darüber hatte sie noch nie nachgedacht. Also saßen sie eine Weile schweigend nebeneinander. „Eigentlich“, sagte die Prinzessin irgendwann, „möchte ich auch nicht besonders gern Prinzessin sein.“
Der Frosch rückte ein Stück näher. Und dann erzählte sie ihm von all den Dingen, die andere von ihr erwarteten. Von Kleidern, die sie nicht mochte. Von höfischem Benehmen. Und von einem Prinzen, den sie irgendwann heiraten sollte, obwohl niemand sie gefragt hatte, ob sie überhaupt einen wollte.
Der Frosch hörte einfach zu. Als die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwand, musste die Prinzessin plötzlich lachen. „Dann brauchen wir ja überhaupt keinen Zauber.“
Das habe ich mir auch schon gedacht“, sagte der Frosch. Sie küsste ihn trotzdem ganz vorsichtig auf die Stirn. Nichts geschah. Kein Blitz, kein Donner. kein wunderschöner Prinz stand plötzlich vor ihr. Da saß immer noch derselbe kleine grüne Frosch mit seiner Krone. Und beide waren erleichtert.
Von diesem Tag an besuchte die Prinzessin ihn oft am Teich. Manchmal redeten sie, manchmal schwiegen sie und manchmal saßen sie einfach nebeneinander und sahen den Wolken zu.
Die Menschen im Schloss erzählten weiterhin die alte Geschichte vom verzauberten Froschkönig. Die beiden ließen sie erzählen, denn sie kannten längst das Geheimnis, das in keinem Märchenbuch stand:
Nicht jede Verwandlung macht uns zu dem, der wir wirklich sind. Manchmal besteht der größte Zauber darin, es bleiben zu dürfen.
Und seine Krone? Die trug der kleine Frosch weiterhin. Nicht weil er ein König war, sondern weil sie ihm einfach ausgezeichnet stand.
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